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Ein Beitrag aus der Integrativen Therapie (Ilse Orth, Hilarion Petzold und Johanna Sieper)

Bearbeitet von Udo Freiherr de Rath.

Zur Pandemie wird derzeit unüberschaubar viel geschrieben – es geht wohl nicht anders. Mehrperspektivität ist wichtig und jede Berufsgruppe muss hier Beiträge leisten, auch die Psychotherapie, die Kreativ- und Naturtherapien und die Supervision. Fast alle von uns bewegen sich beim Thema kollektiver Megaprobleme auf Neuland. Wirkliche Expertise gibt es noch kaum. Deshalb ist innovative Gedankenarbeit notwendig und Forschungsarbeit, besonnene Nutzung unserer Methoden bei bescheidener Einschätzung der Begrenztheit und Vorläufigkeit unserer Wissensstände über diese Situation. Deshalb dieses Schreiben. Die Gefahr bei der Omnipräsenz des Pandemiethemas ist, dass dadurch höchst wichtige andere Kontexte und Themen – die ökologischen Katastrophen, die Migrationsbewegungen, der Syrienkonflikt, die Lager im Libanon, auf Lesbos, der Krieg in Jemen und Desaster an allzu vielen Orten – aus dem Blick geraten. Das alles sind aber – so unsere Sicht – Symptome einer zunehmenden Chaotisierung unserer Lebenswelt und unserer multiplen Entfremdung von der Natur usw., die im Blick bleiben muss. Es entstehen nämlich in dem gegenwärtigen „Zeitgeist“ kollektiver Bedrohtheit „Tunnelblick-Mentalitäten“ und Ausblendungstendenzen, dysfunktionale „kollektive mentale Repräsentationen“, die wir schon einmal in anderen Kontexten analysiert haben (Petzold 1986h, 2016l; Petzold, Orth, Sieper 2014a), und bei denen man entsprechend gegen steuern muss.

Das kommt vereinzelt, aber zunehmend auch in der Politik an. Das sehen wir mit der internationalen Ökologiebewegung ganz ähnlich und noch etwas weitergreifend, nämlich kritisch mit Blick auf die durchgängig vertretene Wachstumsideologie des „Kapitalozäns“ (Lesch 2018) für einen doch begrenzten Planeten. Die aufgezeigte Problemfülle, die Natur- und Ökologievergessenheit vieler Menschen und die jetzige Krise der Pandemie, sollten – das ist unsere Position – in einem Zusammenhang gesehen werden, denn es entstehen vielfältige Wechselwirkungen, die insgesamt eine neue Lebenshaltung und Lebensführung not-wendig machen werden. Sie verlangen eine neue „Oikeiosis“, d.h. ein neues Verhalten in der Welt. Das erfordert auch neue Anläufe in der „Kulturarbeit“ und die sehen wir als zentrale Aufgabe von Psychotherapie, Kreativtherapien, Supervision. Was soll dieser Oikeiosis-Begriff aus der Philosophie jüngeren Stoa in diesem Kontext? Darunter verstanden die Stoiker, Selenärzte der Antike, ein „sich heimisch machen“ auf dieser und mit dieser Welt. Oikos heißt griechisch das Haus, der Haushalt. Oikeiosis bedeutet: mit seinem „Haus der Welt“ vertraut sein bzw. werden und „der Natur gemäß“ (secundum naturam) zu haushalten und zu leben. Die Stoiker, Seneca, Hierokles, Epiktet, Marc Aurel, die dieses Konzept des „Selbst- und Welt-Begreifens“ entwickelt haben, haben damit auch für uns ein bedeutsames Erbe hinterlassen, das wir gerade h e ute gut brauchen können und für unsere Zeit in unseren Therapien, in der Beratungsarbeit und Supervision zu nutzen vermögen. Dabei geht es nicht nur um die Pandemie. Diese ist zur immer noch unterschätzten ökologischen Krise hinzugekommen. Bei all dem gilt Senecas Satz: „Alles was einem passieren kann, kann jedem passieren. Deshalb sei vorbereitet!“ Besonnene Voraussicht, darum geht es jetzt: für sich, für die anderen, für die Natur! Bei der haben wir es viel zu lange an Sorgfalt mangeln lassen – auch die TherapeutInnen und auch die SupervisiorInnen. Man findet bei ihnen fast nichts zur Thematik. Wir als Menschen sind für die NATUR selbst inzwischen eine Art „Pandemie“ geworden. Weltweit sterben jeden Tag dutzende Arten aus: anthropogener Biozid. Zu vieles krankt an uns. Mehr und mehr werden wir dabei auch selbst Opfer unserer Mißwirtschaft, wenn uns nicht bald eine grundlegende Neuorientierung (Oikeiosis) gelingt. Die Zeit wird knapp. Ich (Hilarion Petzold) hatte mich mit diesem Gedanken schon lange vor der Pandemie näher befasst und deshalb in meinem 75sten Lebensjahr den anhängenden Oikeiosis-Artikel verfasst – auf dem Hintergrund von Diskussionen mit Johanna Sieper und Ilse Orth. Der Text ist im Kontext unserer Zeit geschrieben in schulenübergreifender Ausrichtung, wenngleich aus integrativer Perspektive. Freud sah Psychotherapie als eine Form der „Kulturarbeit“ und auch ich sehe das so. 1986, Jahr der Pershing-Raketen und von Tschernobyl hatte ich ein Buch „Psychotherapie und Friedensarbeit“ und Texte zur „Psychodynamik der Devolution“ – Krieg gegen die Natur – geschrieben als psychotherapeutische Beiträge zu einer transversalen, übergreifenden Kulturarbeit aus einer „supervisio“, einer Überschau. Die Zeiten der Pandemie bieten einen Anstoß und einen wichtigen Raum für ein „Denken nach 3 vorne“, das Entwickeln weitblickender „antizipatorischer Kompetenz“ um persönlich und als Menschengemeinschaft durch „proaktives Handeln“ zukunftsfähiger, ö k o p h i l e r zu werden, natur- und menschenfreundlicher zu werden.

August 2022

Zuhörer

Udo

Beruf: Therapeut

Beschreibung

Udo de Rath, geboren 1955 in Krefeld / Nordrhein-Westfalen, ist seit 1975 ein Deutscher Blues-, Pop- & Rockmusiker. Er hat an der „Europäischen Akademie für bio-psychosoziale Gesundheit und Kreativitätsförderung“ seine Weiterbildung in Integrativer Musiktherapie gemeistert. Sein Fachbuch „Rhythmik-Therapie“ wurde von Prof. Dr. Gerald Hüther und Prof. Dr. mult. Hilarion G. Petzold 2015 sehr begrüßt.

Status:

Abwesend (nicht verfügbar)

Gabriele

Beruf: Personalrätin

Beschreibung

Tätig in einer großen Verwaltung (Ausbildung u. a. als Kauffrau für Bürokommunikation, Dipl. Kosmetikerin und Masseurin, Lebensberatung und psychosomatisches Coaching). Lebenserfahrung, was hat mich geprägt: Seit 2012 Personalrätin (Vertrauensperson für Kolleg*innen, Hilfe zur Neuorientierung, BEM-Verfahren u. a.) Durch persönliche Schicksalsschläge (20 Jahre alleinerziehend, mehrere suchtkranke in der Familie, Tod eines Kindes) habe ich selbst erlebt, wie wichtig es ist jemanden zum Reden zu haben. Freunde bezeichnen mich als „Stehauf-Frauchen“, weil aufzugeben für mich keine Option ist. Die Arbeit mit Menschen liegt mir sehr am Herzen, deswegen habe ich mich mit auribus verbunden. 

Status:

Abwesend (nicht verfügbar)

Frank

Beruf: Unternehmer, Gründer von auribus

Beschreibung

Unser Ziel ist es, für möglichst viele Leute für alle Situationen im Leben ein guter Zuhörer und Gesprächspartner zu sein.

Status:

Abwesend (nicht verfügbar)

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